Was eine Gruppe tragen kann | Über Gemeinschaft, Resonanz und den Raum dazwischen

von | Nervensystem-Regulation

Viele Menschen funktionieren lange, bis der Körper nach Entlastung fragt. Dieser Text beschreibt, wie Gruppen einen Raum öffnen können, in dem wir nicht tragen müssen, sondern gehalten werden. Leise, langsam und im eigenen Tempo.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gruppen können Halt geben, durch Nähe, Resonanz und gemeinsame Erfahrung.
  • Sich zeigen ist kein Müssen, sondern ein sanftes inneres Sammeln.
  • Co-Regulation ist kein Ziel von Selbstoptimierung, sondern ein zwischenmenschlicher Prozess, getragen von einem sicheren, klaren und traumasensiblen Rahmen.
  • Bei Überlastung (z. B. Funktionieren, Müdigkeit, innerer Druck) kann Kontakt entlastend wirken.
  • Offener Abend „Raum für innere Ruhe“ | geschützter Rahmen | Berlin (Infos unten)

Ein Blick darauf, warum gemeinsames Sein regulierend wirken kann.

Wenn Menschen zusammenkommen

Gemeinschaft als leiser Gegenentwurf zur Überforderung 

Es gibt Momente, in denen wir viel halten. Der Alltag ist gefüllt mit Terminen und Anforderungen an uns selbst. Manches wird bewusst von uns getragen, anderes im Hintergrund verdrängt. Für viele entsteht daraus ein stiller Überforderungszustand, ein Funktionieren, das lange Zeit gut geht bis der Körper irgendwann nach einem Ort fragt, an dem er nicht tragen muss.

In Gruppen kann genau dafür Raum entstehen. Nicht, weil Menschen dort „gleicher“ sind, sondern weil sich etwas verändert, wenn wir nicht alleine durch unsere innere Welt gehen. Wenn wir hören, dass andere ähnliche Empfindungen kennen wie ein Druck im Brustkorb oder die Müdigkeit, die sich schwer anfühlt. Die Sehnsucht nach einem Moment, der uns wieder zu uns selbst bringt.

Eine Gruppe kann eine Form von Gemeinschaft sein, die nicht fordert, sondern hält. Ein Ort, an dem all das, was wir sonst allein ordnen und zusammenhalten, geteilt werden darf.

Warum Gruppen so viel bewirken können

Resonanz statt Rückzug

Unser Nervensystem reagiert nicht nur auf das, was in uns geschieht, sondern auch auf das, was zwischen uns entsteht. In einer Gruppe können diese Zwischenräume spürbar werden. Wir alle kennen das, wenn jemand spricht, schweigen die anderen, wieder andere atmen tief ein uns aus und plötzlich findet der eigene Atem eine sanfte Antwort.

Das alles ist keine Technik, sondern Biologie. Menschen regulieren sich seit jeher mit- oder besser gesagt aneinander.

In traumasensiblen Gruppen wird dieser Prozess ganz bewusst langsam gehalten.
Es gibt kein Drängen ,,kein „Du musst dich öffnen“ oder sonst dergleichen. Es gibt nur die Einladung zu spüren, was gerade möglich ist, ganz im eigenen Tempo.

Gemeinschaft mindert Einsamkeit

Einsamkeit entsteht meiner Auffassung nach nicht nur durch „alleine sein“, sondern auch durch das Gefühl, sich mit den eigenen Empfindungen isoliert zu fühlen. 

In Gruppen kann der innere Abstand kleiner werden. Nicht, weil alles ausgesprochen werden muss, sondern weil das gemeinsame Sein an etwas in uns erinnert: Du bist nicht allein und andere kennen das auch. Es darf leichter werden, wenn wir es gemeinsam halten.

Co-Regulation im Alltag erproben

In Gruppen können kleine Momente entstehen, die wir im Alltag oft verpassen. Es sind kleine Momente, in denen wir Blickkontakt aufnehmen oder auch Zustimmung durch jemand bspw. nickendes erfahren. Wir nennen sie auch Mikrobewegungen, die dem Körper ein Gefühl von Sicherheit signalisieren. So wissen wir unbewusst, dass wir hier sicher sind und wir uns hier ausprobieren können.

Diese Erfahrungen können eine Brücke sein, um leichter aus aus dem Funktionieren zu kommen, hin zu einem weichen und authentischen Kontakt.

Wenn Verbindung trägt

Sich gegenseitig stärken, ohne etwas leisten zu müssen

In traumasensibel gestalteten Gruppen geht es nicht darum, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Es geht darum, einen Raum gemeinsam zu teilen und Gefühle zuzulassen. Es müssen natürlich nicht nur die Schweren sein, in so einer Gruppe kann auch viel gelacht werden. 

Menschen stärken sich nicht, indem sie sich gegenseitig beraten. Sie stärken sich durch Präsenz, durch Zuhören und durch das Gefühl, dass sich das eigene Erleben umgeben von anderen Menschen plötzlich weniger unangenehm anfühlt.

Manchmal genügt es auch, einfach gemeinsam dazusitzen. Gemeinschaft wirkt oft dort am stärksten, wo sie nichts fordert, und das kann ein Geschenk sein.

Erlaubnis, sich zu spüren

Für Menschen, die viel funktionieren, kann eine Gruppe ausgleichend sein. Sie erinnert daran, dass wir nicht im Erregungszustand bleiben und gleichzeitig innere Ruhe nicht erzwungen werden kann. Sie kann entstehen, wenn ein Raum sicher genug erscheint, um langsamer und achtsamer zu werden.

Eine Gruppe kann ein Ort sein, an dem wir uns erlauben, bewusst wieder im eigenen Körper anzukommen, nicht in Form einer Technik, sondern als Erfahrung.

Raum für innere Ruhe

Manchmal ist eine Gruppe ein erster, sanfter Schritt zurück zu dir. Gemeinsam mit anderen zu sitzen, die ähnliche Wege gehen. Einen Abend lang aus dem Funktionieren herauszutreten und Lebendigkeit statt Aufregung zu spüren.

Wenn du merkst, dass du nach einem Ort suchst, an dem du nicht alleine durch Überforderung und innere Unruhe gehen musst, kann solche eine Gruppe wohltuend sein. Ganz ohne Druck und feste Erwartungen.

Kontakt & Raum für innere Ruhe | Offener Abend

An jedem ersten Montag im Monat biete ich den offenen Abend
„Raum für innere Ruhe“ in einem traumasensiblen Rahmen in Berlin an.

Es ist kein therapeutischer Gruppenprozess. Es ist ein achtsamer Kursabend, der Menschen begleitet, die sich nach Entlastung und innerer Ruhe sehnen. Oder auch für Menschen, die sich in einer Gruppe erstmal ausprobieren wollen und bisher noch keine Erfahrungen damit gesammelt haben.

Wenn du spürst, dass du gern dabei wärst, einmalig oder öfter, findest du alle Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung https://www.praxis-janinesimoes.de/offener-abend-berlin/ .
Ich freue mich, dir einen geschützten Raum zu öffnen, ruhig, traumasensibel und im eigenen Tempo.

Gestalttherapie

Traumatherapie